Biodiversitätsmonitoring Hamburg

Projektleitung: Torsten Demuth

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Martin Kubiak

Mit etwa einer Million beschriebener Arten stellen Insekten die mit Abstand artenreichste Tiergruppe dar, in Deutschland kommen immerhin rund 33.000 Arten vor. In vielen Ökosystemen treten sie mitunter in großer Individuenzahl auf und erfüllen wichtige ökologische Funktionen, zum Beispiel als Teil der Nahrungskette oder als Bestäuber von Blütenpflanzen. 

Gerade die Bestäubungsleistung lässt ihnen zudem eine große wirtschaftliche Bedeutung für den Menschen zukommen.  

Insektenschwund

In den vergangenen Jahren berichteten die Natur beobachtende über teilweise deutliche Bestandsrückgänge bei unterschiedlichen Insektengruppen – die zumeist subjektiven Eindrücke wurden im Sommer 2017 durch die wissenschaftliche Auswertung von Langzeitbeobachtungsdaten des Entomologischen Vereins Krefeld unterstrichen:

Die Biomasse der Insekten ist demnach in vielen Gebieten Deutschlands in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen. So wird von einer Verringerung der Fluginsekten-Biomasse um 75% innerhalb von 30 Jahren berichtet.

Die Ursachen sind vielfältig und bisher nicht abschließend geklärt. Allerdings scheint der Verlust von Lebensräumen (z. B. durch intensivierte Landwirtschaft oder Flächenversiegelung), die Einfuhr und Ausbreitung gebietsfremder Arten, klimatische Veränderungen und der massive Einsatz von Pestiziden die einheimischen Insektenpopulationen negativ zu beeinflussen. 

Städte - Hotspots der Biodiversität?

Die wenigen verfügbaren Langzeitstudien zu Bestandsveränderungen bei Insekten beschränken sich bisher auf Naturschutzgebiete oder Agrarlandökosysteme. Umfassende Studien zu urbanen Ballungsräumen gibt es bisher nicht, obwohl gerade das engmaschige Lebensraummosaik und die hohe Entwicklungsdynamik von Städten zahlreichen Arten auf engstem Raum passende Lebensbedingungen bieten. Zudem kommen hier deutlich weniger Pestizide oder Düngemittel zum Einsatz als im ländlichen Raum.

 

Der Energieberg Georgswerder dient dem Projekt „Biodiversitätsmonitoring Hamburg“ seit April 2018 als Musterstandort. Durch ihre vielfältig strukturierten Lebensräume und die große Artenvielfalt bietet die gesicherte Deponie ideale Voraussetzungen für faunistische Untersuchungen. Das Projekt soll im Hamburger Raum ausgeweitet und weitere Monitoring-Standorte etabliert werden.  

Lockendes Licht und Alkohol

Um die Bedeutung von urbanen Lebensräumen sowie die kurz- und langfristige Bestandsentwicklung von Insektenpopulationen im städtischen Umfeld zu untersuchen, werden von April bis Oktober Fluginsekten mittels zeltähnlicher „Malaisefallen“ sowie bodenbewohnende Gliederfüßer (z. B. Insekten, Spinnen) mittels in den Boden eingelassener „Barberfallen“ erfasst.

Die so gewonnenen Proben werden nach standardisierten Verfahren auf ihre Biomasse und Artenzusammensetzung hin untersucht. Wöchentliche Leerungen ermöglichen auch die im Jahreslauf stattfindenden Verschiebungen des Artenspektrums zu dokumentieren. Ergänzend werden regelmäßig nachtaktive Fluginsekten mit speziellen Leuchtanlagen angelockt und  erfasst. 

 

Die enge Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Centrums für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg, Freizeitforschern des Neuntöter e. V. sowie der Behörde für Umwelt und Energie ermöglicht ein in Hamburg einmaliges Projekt.

Konserviert für die Nachwelt

Zahlreiche Insektenarten sehen sich äußerlich extrem ähnlich und können daher nur mithilfe optischer Hilfsmittel unter Laborbedingungen bestimmt werden. Die Erfassung dieser Arten über Fallensysteme und somit die Fixierung der Tiere ist dabei unerlässlich. Für wissenschaftliche Fragestellungen ist neben der Artenzusammensetzung auch die Häufigkeitsabschätzung sehr wichtig – auch hier ist die Erfassung über Standarderfassungsmethoden unerlässlich.  

Der örtlichen Gesamtpopulation schadet dies kaum. So werden pro Malaisefalle durchschnittlich drei Gramm Fluginsekten am Tag gefangen, diese Menge fängt ein Mauersegler bei günstiger Witterung während der Jungenaufzucht in etwa zwei Stunden.

Alle Proben werden nach den Untersuchungen in der wissenschaftlichen Sammlung des CeNaks archiviert und stehen dort dauerhaft für weitere Forschungszwecke zur Verfügung.

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