Siedlungssänger

Projektleitung: Simon Hinrichs

Rasanter Flächenverlust

In Hamburg und vielen anderen Städten und Gemeinden werden immer mehr Grünflächen überbaut. Dabei gehen viele wertvolle Lebensräume verloren. Viele Tiere suchen Zuflucht in unseren Siedlungen, da die Landschaften außerhalb der Städte mittlerweile häufig ausgeräumt und strukturarm sind („Agrarwüsten“). Doch auch hier werden immer mehr Grünflächen mit teils wertvollen Lebensräumen bebaut und somit nachhaltig vernichtet. 

In Siedlungen werden vielfach exotische Pflanzen eingesetzt, welche für unsere heimische Tierwelt meist keinen bzw. nur geringen Nutzen haben. So gibt es mittlerweile viele „grüne Wüsten“. Außerdem werden Flächen oft unnötigerweise versiegelt oder mit Kies verfüllt, als hätten wir nicht schon genug sich aufheizenden Stein und Beton in der Stadt. 

 

>>  Das Projekt „Siedlungssänger“ setzt sich für mehr Leben und Vielfalt in unseren Siedlungen ein.

Das ist ganz einfach und JEDER kann mitmachen!  << 

 

Vogelschutz - mehr als Meisenknödel!

Das Wissen über unsere heimischen Pflanzen- und Tierarten und die ökologischen Zusammenhänge in der Natur, geht in der Bevölkerung und auch bei Grünpflegefirmen immer mehr verloren. Entsprechend „naturfeindlich“ werden dann häufig Gärten gestaltet und gepflegt; die Gartengestaltungen mit ökologisch (fast) wertlosen Kirschlorbeer oder Thuja und der Einsatz von Mährobotern und Laubbläsern, welche unzählige Kleintiere zerschreddern, zeugen davon. Neubausiedlungen gehören oft zu den artenärmsten Gebieten. 

 

Wer beispielsweise einen Nistkasten aufhängt, hilft damit nur einzelnen wenigen Vogelarten. Der Großteil unser Singvögel baut Nester in Sträuchern, benötigt also dichte Hecken für die Jungenaufzucht. Zudem will der Nachwuchs auch ernährt werden; ohne Insekten keine Siedlungssänger! Heimische Pflanzen, Laub unter Hecken, etwas Totholz und die eine oder andere wilde, sich selbst überlassene Ecke im Garten, sorgen dafür, dass die Vogeleltern ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs finden. Es ist super interessant zu beobachten, welche Arten dann plötzlich „aus dem Nichts“ auf solchen „unbehandelten“ Flächen auftauchen und die Siedlungen bereichern. Aufklärung ist wichtiger denn je.

Die "abgehärtete" Kohlmeise hat sich sehr gut an das Leben in der Stadt und die kulturellen Interessen ihrer menschlichen Nachbarn gewöhnt.
Die "abgehärtete" Kohlmeise hat sich sehr gut an das Leben in der Stadt und die kulturellen Interessen ihrer menschlichen Nachbarn gewöhnt.
Trostlose Gestaltung mit Kies und "totem" Rhododendron.
Trostlose Gestaltung mit Kies und "totem" Rhododendron.

Weltstadt ohne Weltvögel (?) – Gebäudebrüter in Gefahr

Bis in die 1980er Jahre war der Haussperling (Passer domesticus), umgangssprachlich „Spatz“, der häufigste Brutvogel Hamburgs. Jeder kannte die „frechen“ Spatzen, welche an jeder Ecke in den Büschen tschilpten (riefen) und als relativ standorttreue Vögel auch im trüben Winter für Unterhaltung sorgten.

Doch diese Rufe und Gesänge sind mittlerweile vielfach verstummt. An Orten wo früher noch das Leben tobte, Spatzen umherflogen, für Stimmung und eine herrliche Klangkulisse sorgten, herrscht heute gespenstische Stille. 

Männlicher Haussperling mit der charakteristischen grauen Kappe.
Männlicher Haussperling mit der charakteristischen grauen Kappe.
Weiblicher Haussperling.
Weiblicher Haussperling.

Auch der Star (Sturnus vulgaris) ist bereits in vielen Regionen selten geworden. Bekannt durch seine Imitationen („Cover“) anderer Vögel, Amphibien oder auch menschlicher Geräusche wie Handyklingeltöne, leidet auch diese Vogelart am Grünflächenverlust in Städten und Gemeinden. Stare benötigen zur Nahrungssuche größere Rasenflächen und Wiesen mit kurzer Vegetation. Nachverdichtungen verdrängen diese Art häufig. Zum Brüten brauchen Stare Höhlen in alten Bäumen oder Löcher und Nischen in Gebäuden. Vielfach hängen zwar Nistkästen in den Gärten, doch diese sind meist nur für Meisen und andere Kleinvögel konstruiert und für den Star viel zu klein.

 

 

Alles nur Fassade? Mut zur Lücke! Nisthilfen an Gebäuden

Der Haussperling steht stellverstretend für viele andere Gebäudebrüter, welche in ihren Beständen in etlichen Bereichen dramatisch abgenommen haben. 

Denn ältere Gebäude mit Lücken und Nischen, welche als Nistplatz dienen, werden nach und nach saniert oder abgerissen. Neue Gebäude sind meist vollständig „versiegelt“. Das bedeutet dass das Überleben von Spatzen, Mauerseglern, Fledermäusen und Co zukünftig von Nisthilfen abhängt. Für diese Arten sind (spezielle) Nistkästen also überlebenswichtig. 

An diesem Haus in der Köppenstraße (Groß-Borstel) wurde eine neue Regenrinne eingebaut, welche den Spatzen den Zugang zu ihren Nestern versperrt. Einen Ausgleich gab es nicht. Tschüß Spatz!
An diesem Haus in der Köppenstraße (Groß-Borstel) wurde eine neue Regenrinne eingebaut, welche den Spatzen den Zugang zu ihren Nestern versperrt. Einen Ausgleich gab es nicht. Tschüß Spatz!
Spatzen brüten sehr gerne in der Traufe hinter der Regenrinne, doch heutzutage werden sie oft durch Vergitterung ausgesperrt.
Spatzen brüten sehr gerne in der Traufe hinter der Regenrinne, doch heutzutage werden sie oft durch Vergitterung ausgesperrt.

„Abgedämmt und dann verdrängt“

So ergeht es nicht nur vielen Menschen, sondern auch vielen Tieren wie Spatzen, Mauerseglern oder Fledermäusen. Denn trotz gesetzlicher Bestimmungen werden längst nicht alle Brutstätten geschützt und durch entsprechende Nisthilfen ersetzt. 

Gibt es solche Ausgleichsmaßnahmen an den Gebäuden, werden diese durch fehlende Expertise leider oft an völlig ungeeigneten Stellen montiert und die Nisthilfen dann von den Zielarten nicht angenommen. 

Beispielsweise werden Nisthilfen nach Süden ausgerichtet, in denen es dann im Sommer viel zu heiß wird. Nistmöglichkeiten für Mauersegler (Apus apus), welche einen freien Anflug und eine gewisse Höhe benötigen, werden hinter aufwachsenden oder bereits vorhandenen Bäumen, oder teilweise viel zu niedrig montiert und daher oft nicht angenommen. Leider fehlt es oft an einer Art Erfolgskontrolle. 

So wird teilweise viel Geld für Nisthilfen ausgegeben, zusätzliche Arbeit für die Baufirma geschaffen und am Ende hat keiner was davon; ein Ausgleich der keiner ist. 

Ernsthaft?! Direkt über der Terasse sollen Spatzen fast in Augenhöhe brüten. Und unten wieder dieses komische lange Gras zwischen diesen trostlosen Steinen...
Ernsthaft?! Direkt über der Terasse sollen Spatzen fast in Augenhöhe brüten. Und unten wieder dieses komische lange Gras zwischen diesen trostlosen Steinen...
Ein Feldsperling in seinem neuen Zuhause.
Ein Feldsperling in seinem neuen Zuhause.

Haussperling kurz nach der "Wohnungsübergabe" vom Buntspecht.
Haussperling kurz nach der "Wohnungsübergabe" vom Buntspecht.

Buntspecht schafft Hoffnung 

Dort wo Fassaden gedämmt sind und weder Spalten noch Nischen zum Brüten vorhanden sind, kann der Buntspecht (Dendrocopos major) vielfach für eine Art Ausgleich sorgen. Die hohl klingenden Wände scheinen manche Spechte magisch anzuziehen, denn sie klingen wie hohle Baumstämme, hinter denen leckere Maden versteckt sein könnten. 

Ist der Specht fertig, werden diese neuen Höhlen oft schnell von Meisen, Spatzen, Staren oder Fledermäusen besetzt. Was für die Hausverwaltung ein Fluch ist, ist für die Vogelwelt ein Segen. Denn die neuen Quartiere befinden sich meist in exklusiver Lage. Doch häufig werden diese neuen Quartiere zeitnah wieder verschlossen, manchmal sogar während der Brutzeit! Der Nachwuchs wird dann praktisch eingemauert! Einen Ausgleich für diese Quartiere gibt in der Regel nicht, obwohl hier Brutstätten von Vögeln und ggf. Fledermäusen vernichtet werden. 

 

Daher sollten Anwohner mit solchen tierischen Nachbarn immer darauf achten, dass nicht während der Brutzeit von März bis August an Gebäuden gearbeitet wird. Vor geplanten Sanierungen sollten Hausverwaltungen und Behörden rechtzeitig über die Vorkommen informiert werden, damit später auch entsprechende Nisthilfen aus Ausgleich montiert werden. Wo kein Kläger, da kein Richter.

 

Tschüß Spatz! Niedergang eines „Stars“

Haussperling und Star sind in ihrem Bestand so stark zurückgegangen, dass sie seit dem Jahr 2018 auf der Roten Liste der Brutvögel Hamburgs stehen, also akut in ihrem Bestand gefährdet sind. In vielen Hamburger Stadtteilen sind diese beiden Arten mittlerweile verschwunden. 

 

Auf geht’s – Mission „Wiederaufstieg“ hat begonnen! 

Behörden sollten mit gutem Beispiel voran gehen. Alle öffentlichen Gebäude müssten auf ihre Eignung für Nisthilfen geprüft werden. Wo wenn nicht dort!? Die restlichen Populationen müssten lokalisiert und durch solchen „sozialen Wohnungsbau“ (Nisthilfen) und ggf. weiteren Einzelmaßnahmen im Umfeld unterstützt werden, denn nur so können wir diese Arten langfristig erhalten. 

 

Jeder kann mit kleinen Maßnahmen Großes bewirken!

Ein Strauch tut’s auch

Es muss nicht immer gleich ein kompletter Umbruch sein. Auch mit einem kleinen finanziellen Rahmen lässt sich das Umfeld ökologisch aufwerten. Wenn man beispielsweise (erstmal) einzelne Sträucher wie eine Hortensie durch einen Schneeball (Viburnum opulus) ersetzt, einen Rhododendron durch eine Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) oder eine Thuja durch eine Eibe (Taxus baccata), kann das schon viel bewirken! Schon nach kurzer Zeit stellen sich die ersten „Nutznießer“ ein und man kann seinen Erfolg täglich beim Wachsen zusehen. 

Generell eignen sich Sträucher aufgrund ihrer einfachen Pflege und des großen Volumens sehr gut, um die Biodiversität schnell zu steigern. Für (fast) jeden Standort gibt es einen tollen heimischen Strauch, welcher nicht nur schön aussieht, sondern auch nützlich und meist auch günstiger ist.

Beim Kauf von gezüchteten Rosen sollte man darauf achten, dass die Blüten ungefüllt sind, denn nur diese bieten Insekten Nahrung und duften gleichzeitig so herrlich. Wildrosen können dagegen zusätzlich mit ihren dekorativen, leckeren und auch bei vielen Vögeln beliebten Hagebutten punkten.

Die Bibernellrose lockt mit ihren ungefüllten Blüten zahlreiche Insekten an.
Die Bibernellrose lockt mit ihren ungefüllten Blüten zahlreiche Insekten an.

Stauden, welche Artenvielfalt erlauben

Genauso ist es mit anderen Pflanzen wie Stauden; Geranien, Chrysanthemen oder Tagetes sehen zwar hübsch und bunt aus, doch sie bieten weder für Schmetterlinge, noch für Hummeln oder Bienen Nahrung. Es gibt unzählige heimische Alternativen. Im Garten oder auf dem Balkon darf es aber auch mal „exotisch“ oder die Zuchtform sein, denn beispielsweise verschiedene Sorten von Katzenminze, Ziest, Salbei, Lavendel oder verschiedene Küchenkräuter wie Sorten von Minze, Thymian oder Oregano können wahre „Insektenmagneten“ sein. 

Mehrjährige standortgerechte Pflanzen sparen außerdem enorm viele Ressourcen, schonen unseren Geldbeutel und beleben unser Umfeld. Standortgerecht gesetzte Pflanzen muss man zudem, sobald sie richtig angewachsen sind, in der Regel auch nicht mehr gießen und spart wertvolles Wasser!

 

Siedlungssänger informiert, Siedlungssänger tauscht aus!

Viele Gärten, Parks, Gebäude und Grundstücke bieten so viel ungenutztes Potenzial. Warum nutzen wir die uns verbliebenen Flächen nicht  intelligenter und schaffen mit heimischen standortgerechten Pflanzen (welche unseren Wetterbedingungen standhalten) und artgerecht montierter Nisthilfen neue Lebensräume und mehr Artenvielfalt?! Das ist so einfach! Dafür setzen wir uns ein. 

 

Wir beraten Euch gerne und unterstützen bei Planung und Umsetzung.


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