Siedlungssänger (Spatzenretter Hamburg)

Projektleitung: Simon Hinrichs

Rasanter Flächenverlust

In Hamburg und vielen anderen Städten und Gemeinden werden immer mehr Grünflächen überbaut. Dabei gehen viele wertvolle Lebensräume verloren. Viele Tiere suchen Zuflucht in unseren Siedlungen, da die Landschaften außerhalb der Städte mittlerweile häufig ausgeräumt und strukturarm sind („Agrarwüsten“). Doch auch in Siedlungsräumen werden immer mehr Grünflächen, mit teils wertvollen Lebensräumen, bebaut. 

In Gärten und Parkanlagen werden vielfach exotische Pflanzen eingesetzt, welche für unsere heimische Tierwelt oft keinen bzw. nur geringen Nutzen haben. So gibt es mittlerweile viele „grüne Wüsten“.

Außerdem werden Flächen oft unnötigerweise versiegelt oder mit Kies verfüllt, als hätten wir nicht schon genug sich aufheizenden Stein und Beton in der Stadt. 

 

Warum nutzen wir die verbliebenen Grünflächen und

neuen Siedlungsräume nicht intelligenter und schaffen

mehr Lebensqualität für Mensch und Tier?

 

Das Projekt „Siedlungssänger“ setzt sich für mehr Leben, Vielfalt und Qualität in unseren Siedlungen ein. Das ist ganz einfach und Jeder kann mitmachen!

 

Aufklärung wichtiger denn je – Lebensqualität schaffen

Etliche Studien zeigen, wie wichtig die lebendige Natur für uns Menschen ist. Allein der Anblick von Vögeln, Bienen oder Schmetterlingen löst in den meisten Menschen Glücksgefühle aus. 

Kinder brauchen Möglichkeiten für wichtige prägende Naturerlebnisse, welche sich in der Regel sehr positiv auf ihre Entwicklung auswirken. Je weniger Berührungspunkte Kinder mit der Natur haben, desto weniger Interesse und Bereitschaft haben sie später, sich für diese einzusetzen.

 

Lernort Siedlung – Grün und bunt ist nicht gleich grün und bunt

Wenn man beginnt sich mit den verschiedenen Tierarten und deren Bedürfnissen auseinander zu setzen, lernt man u. a. welche Tiere welche Pflanzen benötigen.

Unser Projektpartner:

Unsere Förderer:

sowie zahlreiche Einzelpersonen


Viele asiatische oder amerikanische Arten stammen zwar aus klimatisch ähnlichen Gebieten und können hier gut wachsen, doch unsere Tierwelt ist überwiegend auf unsere heimischen Pflanzen angepasst und spezialisiert. Die Platane ist beispielsweise ein beliebter Straßenbaum und kommt super mit dem Stadtklima zurecht, doch aus ökologischer Sicht ist diese Baumart ziemlich nutzlos. Ein weiteres Beispiel ist die Forsythie, welche zwar hübsch gelb blüht, doch sie bildet keinen Nektar und hat für Insekten leider überhaupt keinen Nutzen. So erhält man nach und nach eine ganz andere Sicht auf das eigene Umfeld und die vielen Zusammenhänge in der Natur. 

 

Natur macht glücklich und gesund

Aufenthalte in der Natur senken nachweislich den Stress-Pegel. Gerade in Zeiten von starken Zunahmen psychischer Erkrankungen  in Ballungsräumen und den damit verbundenen Milliardenkosten sind die Schaffungen von „Naturerlebnisstätten“ auch ein allgemeines gesellschaftlich relevantes Thema.

 

Naturerlebnisstätten durch heimische Pflanzen

Um solche „Erlebnisstätten“ einzurichten muss man wissen, welche Pflanzen und Strukturen unsere heimischen Arten benötigen. Würden mehr heimische Pflanzen in Parks und Gärten wachsen, hätten wir eine wesentlich größere Artenvielfalt, welche wiederum auch die Lebensqualität für uns Menschen extrem steigern würde.

Perlmutterfalter und Honigbiene „naschen“ an Fetthenne.
Perlmutterfalter und Honigbiene „naschen“ an Fetthenne.

Vogelschutz - mehr als Meisenknödel!

Das Wissen über unsere heimischen Pflanzen- und Tierarten und die ökologischen Zusammenhänge in der Natur, geht in der Bevölkerung und auch bei Grünpflegefirmen immer mehr verloren. Wegen dieser Unwissenheit werden viele Gärten leider entsprechend „naturfeindlich“ gestaltet und gepflegt; die Gartengestaltungen mit ökologisch (fast) wertlosen Kirschlorbeer, Rhododendron  oder Thuja, der Einsatz von Mährobotern und Laubbläsern, welche unzählige Kleintiere vernichten, zeugen davon. Neubausiedlungen gehören oft zu den artenärmsten Gebieten. Dabei sind heimische Pflanzen oft wesentlich günstiger und pflegeleichter als Exoten.

 

Wer beispielsweise einen Nistkasten aufhängt, hilft damit nur einzelnen wenigen Vogelarten. Der Großteil unser Singvögel baut Nester in Sträuchern, benötigt also dichte Hecken für die Jungenaufzucht. Zudem will der Nachwuchs auch ernährt werden; ohne Insekten keine Siedlungssänger! Heimische Pflanzen, Laub unter Hecken (schützt Boden und Wurzeln vor Frost und Austrocknung und bringt natürlichen Dünger), etwas Totholz und die eine oder andere wilde, sich selbst überlassene Ecke im Garten, sorgen dafür, dass die Vogeleltern ausreichend Nahrung für ihren Nachwuchs finden. Viele Pflanzen sind nämlich schon da (durch Samen im Boden), man muss sie nur wachsen lassen. Es ist super interessant zu beobachten, welche Arten dann plötzlich „aus dem Nichts“ auf solchen unbehandelten Flächen auftauchen und die Siedlungen bereichern. Aufklärung ist wichtiger denn je.

Die "abgehärtete" Kohlmeise hat sich sehr gut an das Leben in der Stadt und die kulturellen Interessen ihrer menschlichen Nachbarn gewöhnt.
Die "abgehärtete" Kohlmeise hat sich sehr gut an das Leben in der Stadt und die kulturellen Interessen ihrer menschlichen Nachbarn gewöhnt.
Trostlose Gestaltung mit Kies und "totem" Rhododendron.
Trostlose Gestaltung mit Kies und "totem" Rhododendron.

Aktion „Spatzenretter Hamburg“

Nicht nur Brutplätze schaffen, sondern auch Lebensräume aufwerten

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Haussperling, umgangssprachlich „Spatz“, mit der häufigste Vogel Hamburgs. Doch pfeifen die Spatzen längst nicht mehr von allen Dächern: Der gesellige Vogel leidet in Hamburg zunehmend unter Wohnungsnot, zudem fehlen Verstecke und Nahrung. Sanierungen und Abrisse alter Gebäude bedrohen diese Art, der Verlust von Hecken und offener Tierhaltung ebenso. Die vielen hohen Bäume beschatten mittlerweile viele Bereiche Hamburgs, was der licht- und wärmeliebende Haussperling gar nicht mag. In einigen Stadtteilen ist der Spatz mittlerweile vollständig verschwunden!

 

Die frühere Allerweltsart steht daher seit 2018 auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel der Freien und Hansestadt Hamburg .

 

Männlicher Haussperling mit der charakteristischen grauen Kappe.
Männlicher Haussperling mit der charakteristischen grauen Kappe.
Weiblicher Haussperling.
Weiblicher Haussperling.

Mit dem sogenannten „Tschilpen“ von Spatzen verbinden viele Menschen positive Erinnerungen, beispielsweise an ihre Kindheit, denn früher waren Spatzen allgegenwärtig. Als relativ standorttreue Vögel sorgen sie auch im trüben Winter für "Unterhaltung" und beleben die Viertel. Doch ihre Rufe sind mittlerweile vielfach verstummt. An Orten wo früher noch das Leben tobte, die „frechen“ Spatzen umherflogen, für Stimmung und eine herrliche Klangkulisse sorgten, herrscht heute vielfach eine gespenstische Stille.

 

Der lateinische Name vom Haussperling lautet „Passer domesticus“ (Domesticus = „zum Haus gehörig“), was schon eine ganze Menge über seine enge Verbindung zum Menschen verrät. Seit dem der Mensch sesshaft wurde, leben Spatz und Mensch unter einem Dach in enger Symbiose zusammen; der Spatz hält Haus und Hof (Garten) frei von „störenden“ Insekten und „entsorgt“ Essensreste, bevor es Tauben oder Ratten tun. Im Gegenzug darf er am Haus nisten. 

 

Portrait eines männlichen Haussperlings.
Portrait eines männlichen Haussperlings.

 

 

Gefahr durch Katzen und Autos

Spatzen suchen ihre Nahrung häufig am Boden und auch sonst sind sie eher in geringer Höhe unterwegs. Jagende Katzen können daher eine ernsthafte Bedrohung sein, vor allem wenn die Spatzenpopulation ohnehin bereits stark abgenommen hat, denn dann zählt jeder Vogel! Katzen werden in der Regel von ihren Besitzern ausreichend gefüttert, jedes tote Wildtier (Vögel, Kleinsäuger, Amphibien, Insekten) ist daher unnötig gestorben. Zumindest zur Hauptbrutzeit von April bis Juni sollte man daher Katzen im Haus halten; es kann ja nicht sein, dass unzählige Kleintiere sterben müssen, damit ein einzelnes Tier „spielen“ kann, Hunde dürfen ja auch keine Wildtiere töten. Das Haustier kann nie etwas für sein Verhalten, verantwortlich ist immer die/der Besitzer*in, der dieses lenken kann/muss. Wir haben oft nicht mehr die hohe Artenvielfalt von früher, dass wir uns solche Verluste leisten können.

 

Da Spatzen häufig in geringer Höhe von Hecke zu Hecke fliegen, sorgt zunehmender oder zu schneller Straßenverkehr für zahlreiche Todesfälle. 

 

Inselartige Vorkommen schützen

Unser Ziel ist es zunächst, die verbliebenen inselartigen Vorkommen zu „sichern“ und Brutplätze zu schaffen. 

Wenn es immer weniger Populationen werden, sind irgendwann die Distanzen für den genetischen Austausch zu groß und die Vorkommen brechen durch Inzucht ein. Spatzen haben nämlich meist einen geringen Aktionsradius und sind sehr standorttreu. Nur Jungvögel wandern ab und suchen nach neuen Kolonien. Liegen diese zu weit auseinander, sinkt die Wahrscheinlichkeit dass der Nachwuchs den Flug zur neuen Heimat überlebt.    

Neuer Wohnraum am Hamburger „Michel“.
Neuer Wohnraum am Hamburger „Michel“.

Schutz von Gebäudebrütern

Alles nur Fassade? Mut zur Lücke! Nistkästen an Gebäuden

Der Haussperling steht stellverstretend für viele andere Gebäudebrüter, welche in ihren Beständen in etlichen Bereichen dramatisch abgenommen haben. 

Denn ältere Gebäude mit Lücken und Nischen, welche als Nistplatz dienen, werden nach und nach saniert oder abgerissen. Neue Gebäude sind meist vollständig „versiegelt“. Das bedeutet dass das Überleben von Spatzen, Mauerseglern, Fledermäusen und Co zukünftig von Nistkästen abhängt. Für diese Arten sind (spezielle) Nistkästen also überlebenswichtig. 

An dieses Haus wurde eine neue Regenrinne eingebaut, welche den Spatzen den Zugang zu ihren Nestern versperrt. Einen Ausgleich gab es nicht. Tschüß Spatz!
An dieses Haus wurde eine neue Regenrinne eingebaut, welche den Spatzen den Zugang zu ihren Nestern versperrt. Einen Ausgleich gab es nicht. Tschüß Spatz!
Spatzen brüten sehr gerne in der Traufe hinter der Regenrinne, doch heutzutage werden sie oft durch Vergitterung ausgesperrt.
Spatzen brüten sehr gerne in der Traufe hinter der Regenrinne, doch heutzutage werden sie oft durch Vergitterung ausgesperrt.

 

Neue nutzlose Nistkästen

Darüber hinaus werden Nistkästen für Gebäudebrüter nicht selten an völlig ungeeigneten Stellen montiert und somit von den Zielarten nicht angenommen. Diese Dinge geschehen vielfach aus Unwissenheit oder fehlender Expertise bei den Planungen.

Leider fehlt es oft an Erfolgskontrollen. 

Ernsthaft?! Direkt über der Terasse sollen Spatzen fast in Augenhöhe brüten.
Ernsthaft?! Direkt über der Terasse sollen Spatzen fast in Augenhöhe brüten.
Zwischen den dicht „gedrängten“ Balkonen und Terrassen sollen auch noch Spatzen wohnen?!?
Zwischen den dicht „gedrängten“ Balkonen und Terrassen sollen auch noch Spatzen wohnen?!?

Haussperling kurz nach der "Wohnungsübergabe" vom Buntspecht.
Haussperling kurz nach der "Wohnungsübergabe" vom Buntspecht.

Buntspecht schafft Hoffnung 

Dort wo Fassaden gedämmt sind und weder Spalten noch Nischen zum Brüten vorhanden sind, kann der Buntspecht (Dendrocopos major) vielfach für eine Art Ausgleich sorgen.

Was für die Hausverwaltung ein Fluch ist, ist für die Vogelwelt ein Segen. Denn die neuen Quartiere werden oft umgehend von Meisen, Spatzen, Mauerseglern, Staren oder Fledermäusen besetzt. Doch häufig werden diese neuen Quartiere zeitnah wieder verschlossen, manchmal sogar während der Brutzeit; der Nachwuchs wird dann praktisch eingemauert! Daher sollte man seine tierischen Nachbarn immer im Blick haben und darauf achten, dass solche Löcher erst nach der Brutzeit verschlossen werden und der Brutplatz möglichst durch entsprechende Ausgleichsmaßnahmen wie Nistkästen ersetzt wird.   

  

„Spatzenretter Hamburg“ - Was tun wir?

Regelmäßig finden Begehungen in Hamburg statt, um die restlichen Vorkommen dieser Art zu finden und zu dokumentieren. Dabei schauen wir immer, welche Gebäude sich dort für die Montage von Nistkästen eignen, recherchieren die Eigentümer und fragen diese, ob sie uns bei unserer Aktion unterstützen wollen. Dadurch schaffen wir dauerhafte Brutmöglichkeiten.

Außerdem stellen wir unsere Expertise beim Einbau von Nistkästen zur Verfügung.

 

Haussperlinge benötigen immer mehrere Elemente: 

Dichte Hecken als Sammelplätze, ganzjährig Pflanzensamen von Wildstauden oder Körner durch Fütterungen oder Kleintierhaltung, Sandbadeplätze und heimische Pflanzen, damit sie für ihren Nachwuchs genügend Insekten finden. Wir schauen vor Ort immer, welche Elemente vorhanden sind und welche noch fehlen. Dann versuchen wir die fehlenden Elemente einzurichten, um die Lebensumstände zu verbessern und die Bestände dauerhaft zu "sichern".

 

Am 20. März ist Weltspatzentag

 

Da Haussperlinge meist einen sehr geringen Aktionsradius haben, müssen solche Maßnahmen immer im direkten Umfeld der Populationen umgesetzt werden.

 

Wir suchen Projektpartner, welche uns bei der "Rettung des Spatzen" unterstützen

Genossenschaften, Firmen, Hausverwaltungen, Schulen, Städtische Einrichtungen oder Privatleute, welche Spatzen als Nachbarn haben und diese unterstützen wollen, können sich bei uns melden. 

Wenn keine Schrauben in gedämmten Fassaden erwünscht sind, kann man Nistkästen auch an Halterungen von Regenrinnen befestigen.
Wenn keine Schrauben in gedämmten Fassaden erwünscht sind, kann man Nistkästen auch an Halterungen von Regenrinnen befestigen.
Ein Wagen voller Nistkästen auf dem Weg zur Montage.
Ein Wagen voller Nistkästen auf dem Weg zur Montage.

Bei eingebauten Nistkästen, hier ein Modell für Mauersegler, sieht man nur noch die Einfluglöcher.
Bei eingebauten Nistkästen, hier ein Modell für Mauersegler, sieht man nur noch die Einfluglöcher.

Von Anfang an dabei – Nistkästen zum Einbauen in die Fassade

Einige Nistkastenmodelle lassen sich auch direkt in die Fassaden einbauen, sodass diese relativ unauffällig sind und sich so wunderbar der Optik der Gebäude anpassen. 

 

Seit Anfang 2020 montieren wir Nistkästen für Haussperlinge und konnten bereits einige Partner und Unterstützer gewinnen. Auch die Bezirke Altona, Nord und Wandsbek haben einen Teil der Nistkästen durch die Gewährung von Sondermitteln finanziert.

 

Ungeeignete Spatzenreihenhäuser  

Haussperlinge sind zwar sehr gesellige Vögel, doch am Brutplatz benötigen sie mindestens einen halben Meter Abstand zum Nachbarn. Die Männchen sind meist sehr rabiat am Nistplatz und dulden keine Konkurrenz in Nestnähe! Daher wird bei einem Spatzenreihenhaus in der Regel nur eine von drei Höhlen besetzt. Mit so einem Reihenhaus fördert man oft den Stress unter den Vögeln. Besser man montiert einfach mehrere einzelne Nistkästen mit Abstand.

Mehr als eine Höhle wird selten angenommen (hier vom Feldsperling).
Mehr als eine Höhle wird selten angenommen (hier vom Feldsperling).
Bei der Verwendung von Reihenhäusern sollten diese einen ausreichenden Abstand haben; vier Reihenhäuser = vier Spatzenpaare.
Bei der Verwendung von Reihenhäusern sollten diese einen ausreichenden Abstand haben; vier Reihenhäuser = vier Spatzenpaare.

 1 Spatzenreihenhaus = 1 Spatzenbrutpaar

Der einzige Vorteil der Reihenhäuser ist, dass für die einzelnen Paare mehrere Ersatzhöhlen zur Verfügung stehen, falls eine Höhle mal durch tote Jungvögel etc. vorerst „unbewohnbar“ ist. 

Geeignete Spatzeneinzelhäuser 

Die Farben der Nistkästen sind den Spatzen egal und können an die Fassaden angepasst werden.
Die Farben der Nistkästen sind den Spatzen egal und können an die Fassaden angepasst werden.

 

Wir beraten gerne und unterstützen Euch bei Umsetzungen.

 

7 Sachen braucht der Spatz

Sammelplätze: Je dichter desto besser

Haussperlinge haben viele Feinde und benötigen daher dichtes Gebüsch, am liebsten mit Dornen als Schutz. Dort sammeln sich die Spatzen und verbringen tagsüber viel Zeit darin. Auch für die jungen Spatzen sind diese dichten Sträucher überlebenswichtig. Oft gibt es einen größeren dichten Strauch, welcher als „zentrale Sammelstelle“ dient. Diese müssen unbedingt geschützt werden!

 

Sandbadeplätze

Genau wie Hühner lieben Spatzen Sand- bzw. Staubbäder, um sich von lästigen Parasiten zu befreien. Sandbadeplätze können an trockenen Stellen wie Hauswänden mit Überdachung angelegt werden, unter Balkonen oder immergrünen Sträuchern. 

 

Heimische Pflanzen

Blumenwiesen am Haus sind super für Spatzen. Dort finden sie viele Insekten, welche sie zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen. Zudem bilden viele Pflanzen dort Samen, welche die Spatzen später fressen. Für jeden Standort gibt es heimische Stauden und Sträucher.

 

Ganzjähriges Samenangebot (Fütterung)

Erwachsene Spatzen leben überwiegend vegetarisch und benötigen ganzjährig Samen. Bis vor wenigen Jahrzehnten fanden sie diese ausreichend auf Brachflächen und in offenen Tierhaltungen / Ställen. Im Sommer finden sie auf Terrassen von Cafés Samen in Form von Kuchen- und Brotkrümeln.

Wer Spatzen im Garten hat, kann diese mit einer ganzjährigen Fütterung unterstützen. Spatzen wissen genau was sie an ihre Jungen verfüttern können und was nicht. Natürlich müssen die Futterstellen regelmäßig gereinigt werden, damit sich keine Krankheiten ausbreiten können.

 

Nistplätze an Gebäuden

Wie der Namen schon sagt, nisten Haussperlinge ausschließlich an Gebäuden. Nistkästen an Bäumen helfen dieser Art nicht. Spatzen brüten gerne in Kolonien, daher sollte man immer mehrere Nistkästen nebeneinander aufhängen. Spatzen schlafen ganzjährig in ihren Höhlen.

Auf Abstand und direkt unterm Dach, so mag es der Hausspering.
Auf Abstand und direkt unterm Dach, so mag es der Hausspering.

Himmelsrichtung: Optimaler Osten, notfalls Norden

Im Osten geht die Sonne auf, dann erhitzt sie die Wände noch nicht so stark und in der Morgensonne können die Spatzen sich aufwärmen. Notfalls an der Nordwand, was gerade in heißen Sommern beliebt ist. Da es an Hauswänden schnell warm wird, sollten die Nistkästen nie an der Südwand montiert werden. Die Westseite ist in der Regel die Wetterseite, wo ständig der Wind weht und Regen gegen die Wände weht.

 

Höhe: Zwischen 4 und 10 m, 

am besten direkt unter dem Dach

Spatzen sind an ihrem Nistplatz recht empfindlich. Daher sollten Nistkästen immer an ruhigen Fassaden montiert werden, mit ausreichendem Abstand zu Fenstern, Balkonen und Terrassen. Auch unterhalb der Nistkästen sollte es eher ruhig sein, damit die Spatzen ihren Nachwuchs groß ziehen können.

 

Abstand zwischen den Nistkästen: mind. 50 cm 

Spatzen sind zwar gesellige Vögel, doch zwischen ihren Nestern benötigen sie immer einen gewissen Abstand. Daher sollte man zwischen den einzelnen Nistkästen einen Abstand von einem Meter einhalten. 

 

Fluglochgröße: Zwischen 35 mm und 40 mm, am liebsten hochoval (Höhe 50 mm, Breite 32 mm)

Bei handelsübliche Meisenkästen sollte man die Fluglöcher etwas vergrößern. 

 

Brutinnenraum

Der Brutinnenraum darf für Spatzen gerne größer sein und sollte mind. 12 x 12 cm betragen, gerne etwas größer. 

 

Wasser

Gerade in den Sommermonaten ist der Zugang zu Wasser überlebenswichtig. Wasserschalen müssen regelmäßig gereinigt und das Wasser ausgetauscht werden, damit sich keine Krankheiten verbreiten!

 

Artgenossen (ein Spatz ist kein Spatz)

Haussperlinge sind sehr gesellige Vögel, welche immer Artgenossen um sich herum brauchen. Sie machen alles immer zusammen im Schwarm, baden, fressen, ruhen etc. Es gibt immer Wächter und Kundschafter, das sorgt für Sicherheit. Spatzen stehen auf dem Speisezettel vieler anderer Tiere und werden nur wenige Jahre alt. Daher müssen Populationen eine gewisse Größe haben um dauerhaft überlebensfähig zu sein.

Neugieriger Spatz (Foto: N. Kraeft)
Neugieriger Spatz (Foto: N. Kraeft)
Haussperlinge brauchen immer Artgenossen um sich herum, wie hier im sicheren Weißdorn (Foto: B. Eisenhardt)
Haussperlinge brauchen immer Artgenossen um sich herum, wie hier im sicheren Weißdorn (Foto: B. Eisenhardt)

Heimische Sträucher für Spatz und Co.

Es muss nicht immer gleich ein kompletter Umbruch sein. Auch mit einem kleinen finanziellen Rahmen lässt sich das Umfeld ökologisch aufwerten. Einfach mal Exoten durch heimische Arten ersetzen oder ergänzen. 

Generell eignen sich Sträucher aufgrund ihrer einfachen Pflege und des großen Volumens sehr gut, um die Biodiversität schnell zu steigern. Für (fast) jeden Standort gibt es einen tollen heimischen Strauch, welcher nicht nur schön aussieht, sondern auch nützlich und meist auch günstiger ist. Alles am Strauch (Blüten, Blätter und Früchte) werden von unserer heimischen Tierwelt genutzt.

 

Beim Kauf von gezüchteten Rosen sollte man darauf achten, dass die Blüten ungefüllt sind, denn nur diese bieten Insekten Nektar. Wildrosen können dagegen noch mit ihrem herrlichen Duft, zusätzlich mit ihren dekorativen, leckeren und auch bei vielen Vögeln beliebten Hagebutten punkten.

 

Wichtig ist, dass man immer nach den wissenschaftlichen Namen (kursiv) sucht und sich vorher nach den bevorzugten Standorten erkundigt. Folgende Sträucher locken beispielsweise zahlreiche Vögel und Insekten an:

Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia)

Faulbaum

(Rhamnus frangula)

Heckenkirsche

(Lonicera xylosteum)

Hecken-Rose

(Rosa corymbifera)
Hundsrose (Rosa canina)
Liguster (Ligustrum vulgare)
Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
Roter Hartriegel (Cornus sanguinea)
Schlehe (Prunus spinosa)
Schneeball (Viburnum opulus)
Schottische Zaunrose (Rosa rubiginosa)
Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
Weißdorn (Crataegus monogyna)
   

Die Bibernellrose lockt mit ihren ungefüllten Blüten zahlreiche Insekten an.
Die Bibernellrose lockt mit ihren ungefüllten Blüten zahlreiche Insekten an.

Stauden, welche Artenvielfalt erlauben

Genauso ist es mit anderen Pflanzen wie Stauden; Geranien, Chrysanthemen oder Tagetes sehen zwar hübsch und bunt aus, doch sie bieten weder für Schmetterlinge, noch für Hummeln oder Bienen Nahrung. Es gibt unzählige heimische Alternativen. Natürlich darf es aber auch mal „exotisch“ oder die Zuchtform sein, denn Insekten haben oft ein viel größeres Verbreitungsgebiet als Pflanzen. Wahre „Insektenmagneten“ sind beispielsweise verschiedene Sorten von Katzenminze, Ziest, Salbei, Lavendel oder verschiedene Küchenkräuter wie Sorten von Minze, Thymian oder Oregano. 

Mehrjährige standortgerechte Pflanzen sparen außerdem enorm viele Ressourcen, schonen unseren Geldbeutel und beleben unser Umfeld. Standortgerecht gesetzte Pflanzen muss man zudem, sobald sie richtig angewachsen sind, in der Regel auch nicht mehr gießen und spart wertvolles Wasser!

 

Artenvielfalt schafft Lebensqualität, für alle.

 

 

Weitere Projektpartner - Hier gibt es Platz für den Spatz:





sowie bei:

KLGBV Habichthof e.V.



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