Projekt "Gans Hamburg"


Weitere Themenseiten des Projekts:

Gänse in der Stadt

Vom Ei zur Gans

Gans in Gefahr

Das Wichtigste in Kürze


Das Projekt

Während die Graugans (Anser anser) im 16. Jahrhundert noch häufiger Brutvogel in Norddeutschland war, galt diese Art im 19. Jahrhundert in weiten Teilen Mitteleuropas als Brutvogel ausgestorben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erholten sich die europäischen Bestände langsam und wurden durch Wiederansiedlungsmaßnahmen unterstützt. 

Graugänse sehen nicht alle gleich, aber schon recht ähnlich aus. Mit einer individuellen Markierung können Vögel unterschieden und wiedererkannt werden.

Dadurch gewinnt man detaillierte Informationen über die Populationsstrukturen wie z. B. Bruterfolg, Verpaarung, Sterberate, Verwandtschaftsverhältnisse und Wanderungen.

 

Vereinsgründung zur Förderung der Erforschung und der Aufklärung

 

Viele Menschen wissen erstaunlich wenig über diese Vogelart, obwohl ihnen ihr Anblick doch vertraut ist. Durch das Aussterben ist diese Art in Vergessenheit geraten. Dadurch entsteht oft der Eindruck dass Graugänse neu sind, aber es sind Rückkehrer.

Durch diese Unwissenheit entstehen immer wieder Fehlinterpretationen über Lebensweisen der Graugans, unsinnige Gerüchte oder es werden nutzlose Maßnahmen bei Konflikten ergriffen.

Die Leute haben stets viele Fragen zu den unterschiedlichsten Themen in Sachen Graugans.

Daher sind in diesem Vereinsprojekt neben der Erforschung und der Erfassung dieser Art die Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit unsere wichtigsten Aufgaben. Dazu haben wir ein Faltblatt entworfen, welches über das Projekt und die Graugänse informiert. Wir bieten regelmäßig Führungen und Vorträge an, auch für private Gruppen. 

Unsere Partner:

weitere Förderer:

sowie zahlreiche Einzelpersonen


Dieses Projekt wird rein ehrenamtlich geführt und finanziert sich überwiegend aus Spenden.

 

Interesse an einem Foto, einem Vortrag oder einer Führung für eine private Gruppe? Schreiben Sie uns eine Nachricht.

 

Zahlen, Daten, Fakten – Beringungen und Bestandserfassungen

Begonnen wurde mit der regelmäßigen Markierung von Graugänsen in Hamburg 1988 am Öjendorfer See. Seit 1992 werden auch im restlichen Stadtgebiet Gänse beringt. Ziel ist es herauszufinden, was aus den nachfolgenden Generationen der ehemals wieder angesiedelten Gänsen geworden ist und wie einzelne Bereiche im Stadtgebiet und außerhalb genutzt werden.

 

Wohin ziehen die Gänse nach der Brutzeit?

Wo verbringen sie Sommer, Herbst und Winter?

Welche Gänse fliegen weg, welche bleiben hier? 

Gibt es dabei Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtteilen?

Durch die beringten Brutvögel lassen sich zudem detaillierte Aussagen über das Brutgeschehen machen und beispielsweise feststellen, wie viele Küken geschlüpft und später flügge geworden sind.

 

Das Projekt „Gans Hamburg“ wird rein ehrenamtlich organisiert. Simon Hinrichs, Leiter dieses Projekts, ist ehrenamtlicher Beringer des Instituts für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“.

 

Beringt werden überwiegend Jungvögel im Familienverband. Dadurch kann man am meisten über die Vögel aussagen. Man kennt in der Regel das Schlupfdatum der Gans (durch die Beringung der Eltern), den Schlupfort, die Eltern, die Geschwister, etc. Wir betreiben somit Grundlagenforschung und können die Lebensläufe einzelner Gänse von klein auf verfolgen.

Neben der Markierung der Gänse wird jährlich der Brutbestand im Stadtgebiet erfasst. Per Boot zählen wir die Nester entlang der Alsterkanäle und später per Rad die Familien in den Grünanlagen. Es werden ganzjährig die Gänse in den Parkanlagen gezählt und die beringten Gänse abgelesen. Auch im Hamburger Umland erfassen wir regelmäßig die Graugänse, beispielsweise an den verschiedenen Rastplätzen entlang der Elbe.

 

Ohne den Einsatz ehrenamtlicher Ringableser, Zähler, Helfer beim Beringen und Spenden (https://www.neuntoeter-ev.de/spenden/) wäre es kaum möglich ein so detailliertes Bild über die Hamburger Graugänse zu erhalten.

 

Daher ist, neben der praktischen Arbeit im Feld (dem Ablesen und Beringen), die Wiederfundbearbeitung und die Auswertung der Daten eine unserer wesentlichen Aufgaben.

Diese Datenerhebungen geschehen für das Institut für Vogelforschung "Vogelwarte Helgoland" (Beringungsdaten) und für den Arbeitskreis an der Staatlichen Vogelschutzwarte Hamburg (Gänsezahlen). Diese Daten werden somit für wissenschaftliche und naturschutzfachliche Auswertungen genutzt.

 

Durch unsere Erfassungen der Bestände und dem regelmäßigen Ablesen der markierten Gänse gewinnen wir wertvolle Informationen über die verschiedenen Grauganspopulationen Hamburgs. Zudem kann es in einer Großstadt wie Hamburg immer wieder zu Konflikten zwischen Mensch und Gans kommen, vor allem bei der Raumnutzung in Parkanlagen und Gärten. Wir beraten und klären über die jeweiligen Vorkommen auf.

 

Unsere Tätigkeiten im Projekt „Gans Hamburg“ lassen sich so zusammenfassen: 

  •         Wissenschaftliche Beringungen
  •        Erfassungen der Bestände
  •         Verwaltung der Daten
  •         Öffentlichkeitsarbeit
  •         Gänse-Management

In unserem Blog erscheinen regelmäßig Berichte über unsere Aktivitäten, auch aus unseren anderen Projekten.

Verwendete Codes

Jede Gans erhält bei der Beringung den Metallring der Vogelwarte Helgoland . Auf diesem steht „Vogelwarte Helgoland Germania“ und eine (sechsstellige) Nummer, sodass dieser Ring weltweit zugeordnet werden kann. Einige Gänse erhalten zusätzlich einen blauen Farbring mit einem weißen dreistelligen Code. In der Regel werden die Farbringe von oben nach unten gelesen. Die Ziffern auf dem Farbring sind wesentlich größer. Dadurch können die Gänse auch auf größere Distanz abgelesen werden. Das ist wichtig, da sie außerhalb der Stadt durch Bejagung und Vergrämung wesentlich scheuer sind als in den Parkanlagen.

 

Wichtiger Hinweis für Ableser:

Unsere Daten sind nicht auf geese.org hinterlegt! Ablesungen bitte per E-Mail melden.

 

Übersicht unserer Codes:

000 - 599

700 - 999

00A - 99A

00B - 99B

00C - 99C

00M - 99M

 

00R - 99R

00V - 99V

0C0 - 0C9

0E0 - 0E9

0H0 - 5H9

0J0 - 0J9

0K0 - 5K9

0L0 - 0L9

0P0 - 9P9

0S0 - 0S9

0T0 - 9T9

0U0 - 9U9

1A0 - 9A9

N00 - N99

X00 - X49

 


Fotokalender 

Fotokalender "Gans Hamburg"
Fotokalender "Gans Hamburg"

Jährlich im Oktober erscheint der Fotokalender „Gans Hamburg und Co.“ in unserem Online-Shop mit Bildern aus dem Leben der Graugans und anderer gefiederter Hamburger. 

Der Gewinn aus dem Kalenderverkauf fließt komplett in die Vereinsprojekte „Gans Hamburg“ und „Siedlungssänger“.

 

Vorbestellungen sind ganzjährig per E-Mail möglich.

Wissenschaftliche Arbeiten und Publikationen 

Im Laufe vieler Jahre sind bereits etliche Daten zu den verschiedensten Themen zusammengekommen. Ein Teil dieses Datenschatzes konnte bereits ausgewertet werden, zum Beispiel in:

 

MENDEL, L.-C. (2018): Brutphänologie von Graugänsen (Anser anser L.) im urbanen Lebensraum am Beispiel von Hamburg. Masterarbeit an der Universität Hamburg (UHH).

Zusammenfassung:

 

Im Rahmen eines Beringungsprojektes von Graugänsen (Anser anser LINNÉ, 1758) im innerstädtischen Bereich Hamburgs wurden seit 2006 Daten zur Brutzeit von beringten Graugänse erhoben. Schwerpunkte der Untersuchung waren die Außen- und Binnenalster sowie die angrenzenden Kanäle. Diese wurden in Zusammenhang mit der Entwicklung der Temperatur zu Beginn der Brutzeit ausgewertet. Ebenfalls wurden vom Arbeitskreis Vogelschutzwarte Hamburg (AV HH) Zufallsbeobachtungen zu Brutbeobachtungen und Brutverhalten der Graugänse im gesamten Stadtgebiet seit 1965 ausgewertet.    

Bis heute ist ein starker Populationsanstieg im gesamten Stadtgebiet zu verzeichnen, von 144 Brutpaaren (2000) ist die Zahl auf 550 Brutpaare (2017) gestiegen und hat sich damit fast vervierfacht (Mitschke, AV HH). Im Untersuchungsgebiet konnte ein Anstieg der erfolgreichen Brutpaare mit mindestens einem Gössel von 75 (2006) auf 188 (2017) festgestellt werden. Jedoch hat der Bruterfolg abgenommen und liegt durchschnittlich bei 2,5 ± 0,6 flüggen Jungvögeln (flugfähig) pro Brutpaar (2006 bis 2017). Dabei hat der Anteil der Bruten mit Totalverlust von 10 % (2006) auf 35 % (2017) zugenommen.  Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Brutpaarzahlen der Graugans in Hamburg gestiegen sind, jedoch gleichzeitig der Bruterfolg gesunken ist. Dies ist durch erhöhte innerartliche Konkurrenz um limitierende Faktoren wie Brutplätze und Nahrungsflächen zu begründen. Hinzu kommen äußere Einflüsse von Temperatur, Niederschlag und Prädation. Diese können kurzfristig den Brutbestand und Bruterfolg beeinflussen und reduzieren.  

Die Brutphänologie der Graugans hat sich in Hamburg, sowohl über langfristige als auch kurzfristige Zeit, jahreszeitlich signifikant nach vorne verschoben. Dabei hatte die Februartemperatur einen signifikanten Einfluss auf den Brutbeginn. Je wärmer der Februar war, desto früher haben die Graugänse mit der Brut begonnen. Neben der Veränderung der Zugzeit und Zugdistanz (Ramo et al., 2015; Podhrázský et al., 2016) konnte somit auch Anpassung der Brutzeit an die veränderten Temperaturbedingungen in Hinblick auf den Klimawandel festgestellt werden.

 


Nicht Gans beschränkt - Markierung weiterer Wasservögel

Neben Gänsen werden in Hamburg auch andere Wasservögel wie Möwen, Enten oder Rallen für das Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland“  markiert. 

Im Jahr 2018 haben wir damit begonnen, den Nachwuchs von Reiher- und Stockenten zu markieren. Vieles ist über den Verbleib der Jungvögel, ihrer Lebenserwartung und der Zugrouten noch gar nicht bekannt.

Die mit Abstand häufigste Entenart in Hamburg ist die Stockente. Aber auch Reiherenten brüten regelmäßig an einigen Gewässern und vereinzelnd auch die ursprünglich aus Ostasien stammende (bunte) Mandarinente.


Weitere Themenseiten des Projekts:

Gänse in der Stadt

Vom Ei zur Gans

Gans in Gefahr

Das Wichtigste in Kürze