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Start der Aktion „Spatzenretter Hamburg“

Ein Beitrag und Fotografien von Simon Hinrichs

Alte Gebäude werden nach und nach abgerissen oder saniert. Neubauten sind meist so sehr versiegelt oder vergittert, dass sie weder Löcher noch Spalten haben, welche Vögeln oder Fledermäusen einen Unterschlupf bieten.

Dies ist einer der Gründe, warum der Haussperling (Passer domesticus) seit 2018 auf der Roten Liste der Brutvögel in Hamburg steht.  

 

Eine „Weltstadt“ ohne Weltvogel?!

Wo bis vor wenigen Jahren noch Spatzen mit Ihrem charakteristischen „Tschilpen“ für Unterhaltung sorgten und die Viertel belebten, herrscht heutzutage vielfach gespenstische Stille. In vielen Stadtteilen ist der Haussperling bereits ausgestorben oder nur noch vereinzelnd zu finden.

Der Haussperling ist mittlerweile in seltenes Bild in Hamburg.
Der Haussperling ist mittlerweile in seltenes Bild in Hamburg.

 

Mangelhafte Ausgleichsmaßnahmen gefährden Arten

Gelegentlich werden Nistkästen bei Neubauten auch gleich in die Fassaden mit eingebaut. Leider fehlt dabei zu oft die Expertise bei der Planung und / oder bei der Umsetzung. Denn der Großteil der Nistkästen wird an nicht artgerechten Stellen montiert und daher kaum von den Zielarten angenommen. Zu dieser Thematik gibt es bereits den Beitrag „Neue nutzlose Nisthilfen“ in unserem Blog.

 

Spatzen benötigen einen gewissen Abstand zum Nachbarn, weshalb bei diesen sogenannten „Spatzenreihenhäusern“ wenn überhaupt nur eine von drei Höhlen angenommen wird.
Spatzen benötigen einen gewissen Abstand zum Nachbarn, weshalb bei diesen sogenannten „Spatzenreihenhäusern“ wenn überhaupt nur eine von drei Höhlen angenommen wird.

Spatzenreihenhäuser sind nicht artgerecht!

Wenn man beispielsweise vier „Spatzenreihenhäuser“ montiert hat steht auf dem Papier, dass man Brutmöglichkeiten für 12 Spatzen geschaffen hat, aber eigentlich sind es nur vier!

Bereits im Handbuch der Vögel Mitteleuropas konnte man vor über 50 Jahren lesen, dass Haussperlinge einen gewissen Abstand zum Nachbarn benötigen. 

Dann hängt lieber drei einzelne Kästen mit einem Abstand von je einem Meter auf! Haussperlinge bevorzugen einen größeren Brutraum als Meisen und ein Einflugloch zwischen 35 mm und 42 mm, gerne oval.

 

Dennoch werden auch heute noch weiterhin diese „Spatzenreihenhäuser“ als Ausgleichsmaßnahme von Behörden anerkannt und sogar von etablierten Naturschutzverbänden empfohlen und verkauft. 

Natürlich ist es gut, wenn die Spatzen durch die drei Höhlen eines solchen Reihenhauses mehr Auswahl haben, falls mal eine Brut umkommt und / oder durch andere Todesfälle das Nest vorrübergehend unbrauchbar wird und ein neuer Neststandort benötigt wird. Aber dann sollten wesentlich mehr „Spatzenreihenhäuser“ montiert werden, denn:

1 Reihenhaus = 1 Spatzenpaar!

 

Das konnte Projektleiter Simon Hinrichs nicht länger mit ansehen und startete Ende letzten Jahres die Aktion

„Spatzenretter Hamburg“. 

 

Ein Wagen voller Kästen auf dem Weg zur Montage.
Ein Wagen voller Kästen auf dem Weg zur Montage.

Ziel dieser Aktion ist es, die bestehenden Spatzenpopulationen zu unterstützen und langfristig zu „sichern“, das heißt ihnen dauerhafte geeignete Brutplätze zu schaffen und die Umgebung spatzenfreundlich zu gestalten, u.a. mit heimischen Pflanzen und Sandbadestellen.

 

Wir bieten Behörden und Baufirmen unsere Unterstützung an, damit dem Haussperling und anderen Arten ausreichend geeignete Nistmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Zudem sollten im Umfeld heimische und standortgerechte Pflanzen eingeplant werden, denn dadurch schaffen wir Lebensqualität für alle Hamburger.

Ein weiblicher Haussperling auf der Suche nach einem Nistplatz?
Ein weiblicher Haussperling auf der Suche nach einem Nistplatz?

 

Mitmachen: „Letzte“ Vorkommen müssen geschützt werden!

Dazu sind wir im gesamten Hamburger Stadtgebiet unterwegs und dokumentieren die Vorkommen von Haussperlingen, dabei schauen wir vor Ort immer welche Elemente vorhanden sind und welche noch fehlen. Zudem prüfen wir, welche Gebäude sich dort für die Montage von Nistkästen eignen und kontaktieren die Eigentümer.

Oft sind die Spatzen von einem einzigen Gebäude abhängig; wird dieses abgerissen oder saniert, kann dies ihre Lebensgrundlage zerstören und somit eine ganze Population „auslöschen“. Daher sollten Anwohner „ihre“ Spatzen immer im Blick haben und rechtzeitig Maßnahmen einleiten (u.a. Behörden informieren), wenn Sanierungen oder Abrisse „drohen“.

 

Würden nicht überall Spalten und Nischen vergittert werden, könnte man sich viele, teils teure Nisthilfen sparen.
Würden nicht überall Spalten und Nischen vergittert werden, könnte man sich viele, teils teure Nisthilfen sparen.

  

Mit gutem Beispiel voran gehen

Neue Brutmöglichkeiten haben wir bereits in vielen Hamburger Stadtteilen geschaffen. Auch größere Projekte sind darunter, wie beispielsweise auf der ehemaligen Trabrennbahn Farmsen, im Wildpark Schwarze Berge oder auf dem Gelände der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. 

Für die finanzielle Unterstützung bedanken wir uns bei der Karl Kaus Stiftung, bei den Bezirken Altona, Nord und Wandsbek für die Zuwendungen aus Bezirklichen Sondermitteln und auch ganz besonders für die privaten Spenden.

 

Leider konnten die Nistkästen erst im Februar und März geliefert werden, als viele Haussperlinge bereits ihre Reviere besetzt hatten und die Brutzeit begonnen hatte. Zudem sind Spatzen neuen Dingen gegenüber eher misstrauisch und nehmen neue Nistkästen oft erst eine Brutsaison später an. Bis April haben wir etwas über 300 Nistkästen in verschiedenen Stadtteilen montiert.

Wir sind sehr gespannt, wie die Kästen in den nächsten Wochen angenommen werden. Im Folgenden stellen wir kurz einige Nistkastenstandorte vor und zeigen, worauf es bei der Montage von Spatzenkästen ankommt.

 

Groß Borstel

Anfang des Jahres starteten wir eine gemeinsame Aktion mit dem Kommunal-Verein von 1889 in Groß-Borstel r.V., im Groß Borsteler Boten wurde die Aktion kurz vorgestellt und Unterstützer mit geeigneten Häusern gesucht. 

 

Während der Haussperling vor wenigen Jahrzehnten noch der häufigste Vogel in Groß Borstel war, sieht man ihn heute nur noch in wenigen Straßen.

 

Rahlstedt

Im nordöstlichen Hamburg haben wir u. a. Kästen am Hellmesberger Weg und bei ALDI Nord an der Meiendorfer Straße montiert. 

 

Steilshoop

Während es in Barmbek keine Vorkommen mehr vom Haussperling gibt, kann man diese Art „nebenan“ in Steilshoop in einzelnen Bereichen noch beobachten.

 

Othmarschen

Beim Neubauprojekt „Othmarschenpark“ wurde fast vollständig versäumt, geeignete Nistkästen einzuplanen. Für die bisher wenigen Haussperlinge haben wir nun an zwei Standorten Nistkästen montiert.

 

Ausblick

Wir freuen uns über weitere Mitstreiter welche etwas für „ihre“ Spatzen vor Ort tun möchten. Diese Aktion wird weiter ausgebaut und neue Projektpartner kommen hinzu.

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