Ein Beitrag von Simon Hinrichs
Gans „54M“ wuchs 2016 im Hamburger Stadtpark auf. Seit 2021 brütet sie jedes Jahr am Mühlenkampkanal in Winterhude. In diesem Jahr wurde sie am 16. April mit drei Gösseln gesichtet (I. + S. Kirchhoff).
Doch Ende Mai führte ihr beringter Partner plötzlich alleine den gemeinsamen Nachwuchs, Gans „54M war verschollen! Im Alter von einem Monat konnten sich die Gössel offenbar ausreichend gegenseitig wärmen und es herrschte eine recht milde Witterung. Zudem war der Vater sehr ranghoch und passte sehr gut auf seinen Nachwuchs auf. Kurze Zeit später wurde „54M“ extrem schwach und abgemagert spät abends am Ufer des Stadtparksees entdeckt; ganz alleine und sie zeigte kaum Fluchtverhalten (S. Hinrichs).
Ab Mitte Juni hielt sie sich dann wieder regelmäßiger bei ihrer Familie auf und ihr Zustand besserte sich. Aus diesem Grund fangen wir solche erkrankten Vögel nicht ein, schon gar nicht wenn es sich um jungeführende Vögel handelt. Erfahrungsgemäß erholen sich die meisten Gänse in Freiheit und vor allem in ihrem sozialen Umfeld recht schnell wieder.
Anfang Juli waren die drei (Anfang Juni beringten) Jungvögel längst flügge und am 9. Juli wurde die Familie das letzte Mal vollzählig im Stadtpark abgelesen (I. + S. Kirchhoff). Wie vermutet schaffte Gans „54M“ den Abflug nicht und blieb alleine zurück. Am 15. August wurde sie am Goldbekkanal in Winterhude abgelesen (K. Busche), bevor sie dann ebenfalls verschwand.
Erstaunlicherweise fand die Familie knapp eine Woche später am 23. August wieder auf dem Kleinen Brook an der Dove-Elbe zusammen (S. Hinrichs). Allerdings fehlte dann der Sohn „RZT“. So schwach wie Gans „54M“ damals im Stadtpark wirkte hätte man ihr diesen Flug gar nicht mehr zugetraut und es wird noch bemerkenswerter. Am 1. September wurde die Familie auf dem Kleinen Brook zuletzt gemeldet (S. Kaatz).

Fast zweieinhalb Monate vergingen, bis auf einer Exkursion in die Niedersächische Elbtalaue zwei erstaunliche Beobachtungen gemacht wurden. Am 12. November grasten auf einem Feld bei Vockfey (Amt Neuhaus) im Landkreis Lüneburg der verschollene Sohn „RZT“ (S. Hinrichs). Und noch erstaunlicher war, dass rund 50 m weiter seine Mutter „54M“ fraß! Vermutlich war die Bindung nicht mehr vorhanden, da der Jungvogel und seine Mutter sich ja bereits ab Alter von einem Monat nur noch sporadisch gesehen haben und er wahrscheinlich seit Anfang Juli keinen Kontakt mehr zu ihr hatte. Doch wo war der Rest der Familie?
Am 22. November konnte der zweite Sohn („RZU“) auf einem Feld bei Wendewisch (Bleckede) im Landkreis Lüneburg abgelesen werden (S. Hinrichs).
Sogar die Tochter („RZJ“) konnte kurz darauf gefunden werden! Sie graste auf einer Wiese bei Tönnhausen im Landkreis Harburg (S. Hinrichs).
Doch wo ist der Vater? Eine häufige Ursache für so ein Verdriften der Familienmitglieder ist die Jagd. Gut möglich dass der Vater geschossen wurde und dadurch die Familie auseinander geissen wurde. Leider werden viele beringte geschossene Gänse von Jägerinnen und Jägern nicht gemeldet. Dadurch gehen für beide Seiten wichtige Informationen unnötig verloren. Über die Gründe kann man nur spekulieren.
Ohne Eltern sinken die Überlebenschancen der Jungvögel. Sie sind plötzlich am Ende der Rangordnung. Niemand passt mehr auf sie auf.

Am 20. Dezember wurde die Mutter "54M" im Hamburger Stadtpark entdeckt, mit einem unberingten Ganter an ihrer Seite (I. Kirchhoff). So eine Neuverpaarung bei den in der Regel monogam lebenden Graugänsen, deutet in den meisten Fällen auf den Tod des Partners oder der Partnerin hin. Ganter "602" wurde bis heute nicht gemeldet.
Wir sind gespannt wie es weitergeht. Es ist immer wieder extrem spannend verschiedenste Verhältnisse und Ereignisse durch unsere Beringungen zu dokumentieren.



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Nicole Meisner (Dienstag, 02 Dezember 2025 11:20)
Schreibe bitte mal, wenn der Vater doch wieder auftaucht �